Samstag, 27. August 2016

Und es wallet und siedet ... Schiller, Goethe und Co. mal anders

Bertelsmann-Lexikon! Weltrundschau Jahrbücher! Was die einst für Geld kosteten, zusammen einen Kleinwagen. Und heute? Altpapier, an dem mühsam mit Muskelkraft die Buchdeckel entfernt werden müssen. Ich will diese Bücher nicht. Niemand will sie. Und das ist der Fluch.

Momentan will jeder sie loswerden. Wöchentlich, teils mehrmals, erhalte ich Mails von Besitzern, die mir diese Bücher vorbeibringen möchten. 

KEINER stellt sich mehr heute einen Meter Bücher ins Regal. Staubfänger. Fülle. Leere ist trendy! Ausser ... (weiterlesen ;-)

Schuld ist das Internet, klar. Nicht etwa die Zeit oder der Mensch selbst. Nein, das böse, böse Internet weiss einfach zu viel. Was in den Bertelsmann-Lexiken steht, gibt es heute ganz staubfrei im Internet nachzulesen. Mehr sogar. Weltrundschau-Bücher sind im Glücksfall noch ein witziges Geschenk auf einen runden Geburtstag. Selten mehr.

Lesen Sie gratis Schiller, Goethe oder Shakespeare! Klassiker sind ebenfalls im Internet zu lesen oder als E-Book downloadbar. Völlig kostenfrei. Wer sollte also noch die "Gesammelten Werke" der grossen Literaten zu Hause altern lassen? Sie ahnen es: Altpapier. Sogar ältere Ausgaben. Nur wenn Sie eine Erstausgabe im Regal haben, werden Sie damit reich. 

So ist unsere Zeit. Und sie ist so, egal wie ich sie finde. Meistens mag ich sie recht gerne.
Etwas hingegen finde ich ausgesprochen toll: Wenn ein kreativer Kopf einen Klassiker hervorkramt, ihn aufmöbelt und neu herausbringt. Beispielsweise wunderbar bebildert.

Lesen Sie die berühmte Ballade "Der Taucher" von Friedrich Schiller, gemalt von Dieter Wiesmüller (ISBN 9783551517166):

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel sprützet der dampfende Gischt,
Und Flut auf Flut sich ohn' Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären,

...

Wunderbar! Wiesmüllers Bilder bezaubern mit Schillers Worten und spinnen ein sagenhaftes Ganzes. Eine Perle von Bilderbuch. Erschienen im Carlsen Verlag. Merken.

"Faust" nach Johann Wolfgang von Goethe - Hand aufs Herz: Wer hat ihn gelesen?
Ich. Ehrlich, aber in einer kurzen, fantasievollen Version: neu erzählt von Barbara Kindermann und mit Bildern von Klaus Ensikat (ISBN 3934029108) ... ein Bilderbuch erster Klasse!

Der Widerstreit zwischen Gott und dem Teufel, dem Guten und dem Bösen, ist uralt, und auch diese Geschichte handelt davon. Doch fangen wir vorne an.
Es war ein Tag wie jeder andere. Der liebe Gott sass im Himmel und blickte zufrieden auf die Erde hinab, die er geschaffen hatte. Drei Erzengel umringten ihn respektvoll und lobten sein Werk: die Welt und ihre Bewohner.
Da kam Mephisto daher. Der schalkhafte Teufel war mit dem Lob der Engel gar nicht einverstanden. Auch jetzt sprach er höchst abschätzig von Gottes misslungener Erde und ihren fehlerhaften Menschen ...

Mephisto stieg hinab auf die Erde, um des Doktors Heinrich Faust Seele zu erschleichen. Die Menschen sind fehlerhaft, weiss der Teufel, und er will es Gott beweisen.

Diese Ausgabe, erschienen in der Reihe "Weltliteratur für Kinder", Kindermann Verlag Berlin, macht unheimlich "Gluscht" auf mehr. Aber ist sie wirklich für Kinder? Die Geschichte ist finster, das wissen wir bereits vom Klassiker und von den zahlreichen Theaterinszenierungen. Dieses Bilderbuch verschönt die Handlung nicht. Hexen, Teufel, Zauberei, Totschlag ... Die Bilder von Ensikat sind kunstvoll, passend, unterstreichend. Ein Erwachsener liest aus ihnen. Beeindruckend. 

Ich will mehr und reserviere mir schon mal Platz im Büchergestell. Davon, ja, genau davon will ich ein paar Meter bei mir stehen haben! Für so etwas gibt es (noch) keinen Ersatz. Mephisto hat (noch) nicht gesiegt. Gott sei Dank.

Schillers "Der Taucher" und Goethes "Faust" als prächtige Bilderbücher
- die neue Generation der Klassiker!


Freitag, 29. Juli 2016

s Matterhorn isch ächt obenuse!

40 Jahre ohne Matterhorn zu leben - manche Menschen können das. Zum Beispiel ich. Nun ist aber die ruhige matterhornfreie Zeit vorbei, endgültig. Ich habe es gesehen. Live. Und dieser Berg ist echt magisch.

"Obenuse" - laut Nicole. Und damit meint sie nicht etwa die Höhe, sondern den unglaublichen Anblick. Obenuse - sprengt das Normale, den Rahmen, das Gewohnte. Ebe obenuse! Alles klar?

Zermatt mit den uralten Walliser Holzhäusern ist obenuse malerisch, herzig, urchig ... und teuer. Zumindest beim Einkaufen, alles andere ist gewohnt schweizerisch teuer. Einen normalen Laden gibt es kaum, Marken reihen sich an Marken. Asiaten an Asiaten - die reihen sich nicht nur in den teuren Läden, sondern auch in den Restaurants, in den Bergbahnen und sogar beim Wandern! Noch nie in meinem Leben habe ich innert drei Tagen so viele Asiaten gesehen - ausserhalb von Asien selbstverständlich.

Gut ausgerüstet sind sie, die Asiaten, sie tragen Mammut, North Face & Co. Dazu die besten Kameras und eine gefühlte Tonne Selfiesticks, ist ja klar. Wenigstens wandern sie nicht mehr in Ballerinas, meint Nicole. Und in 99 % hat sie recht. Ballerinafälle gibt es nur noch vereinzelte, doch es gibt sie, auch auf 3000 Metern über Meer im Steingeröll. Vielleicht neigen asiatische Füsse ja nicht so zu schmerzhaften Blattern, wer weiss.

Obenuse ist tatsächlich einiges in Zermatt. Ein Dorf der Superlative. Hohe Berge, bestes Essen - vor allem Walliser Fondue in zig Variationen, logisch! - Bergidylle, prächtige Natur, perfekte Wander- und Spazierwege ... wir wandern viel und atmen durch. Das leckere Fondue will verdaut werden.

Mittendrin - und komplett unvorbereitet - treffen wir auf Trauffer aus dem Berner Oberland. "Müeh mit Chüeh" singt er auf der Bühne mitten im Dorf. Ächt obenuse! Der Regen hält still, die Bergluft trocknet. Endlich. Kühl wird es trotzdem bald, und das mitten im Juli. Wir sind halt mehr obenuse als gewohnt. Jetzt höhentechnisch gemeint.

Obenuse ist auch die Anzahl der Fotos, die ich vom Matterhorn geknipst habe: morgens, mittags, abends, verhüllt, ein bisschen weniger Wolken, andere Wolken, dunkle Wolken, helle Wolken, sanfte und böse Wolken ... keine Wolken. Dieser Berg hat obenuse viele Gesichter und schaut mit jedem einnehmend charmant aus.

Wie mir das Matterhorn gefallen habe, werde ich zu Hause gefragt, und da ich es nun im Sommer erlebt habe, müsse ich wohl noch weitere Male dahin: im Herbst, Winter und Frühling. Ein Tipp aus Erfahrung. Warum erstaunt mich das nicht? 

Die matterhornfreien 40 Jahre sind vorbei ... ich hab's ja geahnt.

Übrigens, unser Hotel war also auch obenuse schnusig!
http://hotel.phoenixzermatt.ch/
Aus die Maus mit matterhornfreier Zeit: mein 1. Blick aufs Matterhorn!
Der Berner Oberländer Trauffer in Zermatt mit seinem Song "Müeh mit de Chüeh"
- ächt obenuse!

Hotel Phoenix in Zermatt - urchig & modern, ein Tipp!




Donnerstag, 21. Juli 2016

Kriegsmüll, 4 Elemente, der tiefste Bierkeller und ich. Danke.

Ich wühle mit der Hand im lockeren Waldboden, gedankenverloren. Die Erde, ein Element von vier, welche Energien werden ihr zugesprochen? Was steckt in ihr? Geborgenheit. Verwurzelung. Nahrung. Aber auch Gefahr, beispielsweise wenn sie rutscht und mitzerrt, was sich nicht halten kann. Begräbt.

Einen ganzen Tag verbringe ich im Wald, gemeinsam mit einigen Frauen und der Schamanin, um die Elemente live zu erforschen. Lange ist es her, seit ich eine Wurst über dem Element Feuer briet, die Zehen im kühlen Fluss badete, meine Nase so viele Stunden in die Waldluft streckte ... Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Wenige Tage später steige ich 153 Stufen in die Tiefe, in den tiefsten Bierkeller der Welt. Wer erwartet schon in der Region Rheinland-Pfalz in Mendig eine Vulkanbrauerei? Bier ja, aber Vulkane? 200'000  und 13'000 Jahre ist es hier, als der Vulkan seine heissen Ströme über das Land spuckte. Steinbomben flogen damals, erklärt uns der Wissende, welcher uns durch die unterirdischen Gänge führt. Verschiedene Lavaströme formten Säulen und erkalteten zu wertvollem Bims, der in Schwerstarbeit abgebaut wurde. Oft mithilfe von Kinderhänden. Damals. Aber genau genommen ist es noch gar nicht so lange her. Keine 100 Jahre.

Hier, so tief unter der Erde, traue ich mich kaum zu atmen. Beklemmend das Wissen, wie viel schwerer Fels über mir ist. Zu klar wird mir, wie zerbrechlich dagegen mein Körper ist. Wenn es rumpelt, hat keiner eine Chance. Von Geborgenheit, welche das Element Erde noch im Wald ausströmte, ist hier keine Spur. Verwurzelung oder Nahrung? Keinesfalls. Reines, mineralisiertes Wasser tropft aus der Steindecke. Unheimlich.

Für manchen aus der Gruppe zu unheimlich. Einzelne brechen die unterirdische Führung ab und steigen wieder an die frische Luft. Gerne würde ich ihnen folgen, wenn mein Kopf es zulassen würde. Ich halte durch. Das Gestein fasziniert auch, irgendwie. Ich bleibe und konzentriere mich auf die Worte unseres Rundgangführers.

Material aus dem zweiten Weltkrieg sei irgendwo in den Höhlen verschachert worden, verrät uns der Höhlenführer. Nicht ganz ungefährlich. An diesem Verschütteten möchte man lieber gar nicht rütteln, man wisse ja nie ... Und zwei Magmakammern, eine obere kleinere und eine untere grössere, würden sich ebenfalls ständig durch die Region bewegen ... Manch ein Verunfallter ruht schon hier unten für ewig.

Nicht auszudenken, was geschieht, wenn Magma auf Kriegsmüll trifft, denke ich mir. Was für eine explosive Mischung. Oder was, wenn die Magmablasen plötzlich auf eine Höhle stossen, in der wir jetzt gerade stehen? Klar, rein statistisch verteilt über die letzten 200'000 Jahre kaum möglich, aber eben doch ein bisschen ... 

Überhaupt muten wir dem Schoss der Erde ganz schön viel zu - und das, obwohl wir wissen, wie unberechenbar sie sein kann. Was alles steckt noch in der Erde? Wie viele Höhlen und Gänge, von Menschenhand gebuddelt oder natürlich gewachsen, bieten Leerräume, die jederzeit einstürzen oder sich mit Unheil füllen können? Wie oft wandeln wir auf Boden ohne zu ahnen, wie verletzt dieser eigentlich ist? Unsere Schweizer Berge sind ja ebenso gelöchert wie unser Käse. Kein Geheimnis.

Das wahre Geheimnis liegt darin, was die Erde mit all dem anstellen wird, was wir ihr zumuten. Vielleicht nicht heute. Oder morgen. Sondern irgendwann. Na dann: prost! Das Vulkan-Bier schmeckt übrigens sehr und erinnert mich daran, wie nahrhaft und grosszügig die Erde eben auch sein kann. Ich schicke ein grosses Dankeschön in den Himmel, nein, besser in die Tiefe der Erde, dass ich gesund und beeindruckt wieder aus dem Höhlensystem an die frische Luft steigen durfte und die gute Seite der Erde - in Form des feinen Gebräus - kosten darf ... eben und mit Nachdruck: ein Prosit auf unsere Erde!


Im tiefsten Bierkeller der Welt der Vulkan-Brauerei in Mendig:
Steinsäulen aus erstarrtem Vulkangestein - unheimlich hier untertags.
Ein Herz für unsere Erde - oder von ihr!
Gefunden während meines schamanischen Waldtages.

Samstag, 2. Juli 2016

Bordeaux - eine Stadt wächst im Wein und versinkt im Müll

Alle zwei Jahre feiert die Stadt Bordeaux ihre edlen Tropfen mit einem Weinfest. Vom 23. bis 26. Juni war es wieder so weit und wir feierten - mit leicht gerümpften Nasen - mit.

Wie freuten wir uns auf diese herrliche Stadt mit ihren prächtigen Bauten aus den letzten Jahrhunderten! Die einheitlichen Hausfassaden entlang des Flusses Garonne wirken majestätisch, die Altstadt - Vieux Bordeaux - mit ihren unzähligen Gassen, Restaurants und Läden ist traumhaft malerisch. UNESCO Welterbe, eine kulturelle Perle.

Doch was war bloss los, mit diesem Bordeaux, das wir vom letzten Weinfest her kannten und lieben gelernt hatten? Nein, keine Fussballfans bellten durch die Gassen. An diesem Wochenende fanden in Bordeaux selbst keine Spiele statt. Doch kaum aus dem Taxi gestiegen, begrüsste uns Müll am Strassenrand. An der nächsten Ecke stank es erbärmlich ... überquellende Tonnen. Warum nur werde ich das Gefühl nicht los, dass mit Streiks stets alle irgendwie verlieren?!?

Wasser schien aus den öffentlichen Anlagen ebenfalls verbannt worden zu sein. "Aus Sicherheitsgründen wegen randalierenden oder betrunkenen Fussballfans", wurde gemunkelt. Keine Fans sichtbar. Der prächtige Brunnen, welcher das Monument aux Girondins umrahmt, stand staubtrocken. Der Miroir d'eau war ohne "eau" und deshalb auch absolut kein "Miroir" - leere Steinfläche ...


Der Müll stinkt zum Himmel. Das dachten die zuständigen Personen der Müllabfuhr wohl auch. Sie streiken. Immer noch. Die Stadt versinkt allmählich in Hausrat, Abfällen und Verwesung. Da helfen keine prächtigen Bauten mehr. Den Leuten stinkt's. Den Touristen auch. Ob die wohl wiederkommen? Wie nur passen teure Weine mit prächtigem Bouquet zu den Düften aus den überlaufenden Mülltonnen?

Mich als Touristin interessiert nicht, warum der Müll da liegt, was Hollande oder die Stadtregierung wieder verbockt haben. Ich schaue hin und mache mir mein eigenes, offensichtliches Bild. Somit treffen die Streikenden genau den gewollten Nerv. Es wirkt. Es stinkt.

Das Weinfest war wiederum fantastisch. Immer wieder schön, wie die Menschen mit ihrem Weinglas von einem Stand zum nächsten pilgern, auf eine Flasche zeigen und die edlen Tropfen degustieren. Hier ein Schwätzchen, da ein paar "Huitres" (Austern), dort etwas Trockenfleisch probieren ... wunderbar. Ein Weinhimmel. Mich überraschten dieses Jahr die hellen Weine, der Rosé und der Weisse, die weniger bekannten also. Bordeaux ist zurecht dank regionalem Wein gewachsen und schlussendlich weltberühmt geworden. Die edlen Tropfen prägten die Stadt ausschlaggebend, wie uns während der Stadtrundfahrt im Bus erklärt wurde. Die lohnt sich übrigens.

Tropfen. Wermutstropfen bleiben. Die markanten Wahrzeichen von Bordeaux waren nur halbwahr. Schade, für all die anderen Bemühungen wie Multimediashow an den geschützten historischen Fassaden oder das Feuerwerk. Ein schaler Nachgeschmack bleibt - und der kommt nicht vom feinen Wein.

Bordeaux, ich hoffe, Deine Bewohner tragen dir Sorge und wissen deine Pracht zu schätzen. Auf ein gepflegteres Wiedersehen, hoffentlich.

Prächtiges Bordeaux: auf dem Place de la Bourse - mit Blick auf die Garonne
Stinkendes Bordeaux: Streik!

Überraschende Weiss- und Roséweine am Weinfest

Miroir d'eau als trockene Steinfläche - nichts weiter als Ebbe und Sitzgelegenheit :-(


Mittwoch, 22. Juni 2016

Anastacia: Wenn kräftige Klänge zu Tränen rühren ...

Mein letzter Blogpost begann mit der Aussage: "Manche Menschen sind Sex pur."
Da meinte ich insbesondere Adam Lambert, der mit Queen auf der Bühne steht. Mittlerweile habe ich jedoch einen weiteren solchen Sex-pur-Menschen erlebt: Anastacia!

Ungewollt hatte ich letztes Wochenende gerade drei Konzertnächte hintereinander. Anastacias Konzert vom April wurde auf letzten Sonntag verschoben, aus Krankheitsgründen. Von der Powersängerin weiss man, sie hat auch ganz andere und völlige Nichtpowerzeiten. Ihre Gesundheit - oder Krankheit - machte ihr in den letzten Jahren immer mal wieder Striche durch Tourneen. Auf ich unternahm drei Anläuf, sie live zu erleben. Jetzt hat es geklappt.

Und, wow, ich könnte heulen. Schon wieder. Ich stand im Kongresshaus, mitten in den Stuhlreihen, und flennte eigentlich ständig. Anastacia ist derart eine Powerfrau und strahlt dies auch für alle Sinne aus - das rührte mich ständig! Ich war ihr total wehrlos ausgeliefert. Noch selten habe ich Sänger erlebt, die live derart stimmlich treffsicher sind. Anastacia ist ebenfalls Sex pur. Ihr ganzes Wesen, ihre Stimme erst recht ... ihre Texte und Botschaften. Alles. Das Gesamtpaket stimmt.

Zwei sehr ästhetische Tänzerinnen mit erotischem Flair begleiten Anastacia, sowie Maria, die Backgroundsängerin im eher dezenten Look und mit Hammerstimme. Die zwei im Duett - wie einst Eros Ramazotti und Anastacia - waren eine Wucht. Anastacia  sang all ihre Highlights und beschenkte damit ihre Fans reich.

"Mein Herz wurde so oft gebrochen", lacht sie und singt ihren nächsten Song gegen den Kummer. Keiner, der Mitleid rührt, sondern ein kämpferischer, der von überwundenem Schmerz und Einsichten erzählt. Keine Ausnahme. Ihre Texte sind emotional, aber durchdrungen von Stärke. Vor mir steht eine reife Persönlichkeit, das ist mir klar. Die Frau hat was zu sagen, noch viel mehr zu singen und wirkt mit einer kräftigen Präsenz, die doch Verletzlichkeit erahnen lässt. Alles zur richtigen Zeit. Und ich war - Gott sei Dank - an diesem Abend genau zur richtigen Zeit am rechten Ort, um Anastacia so erleben zu dürfen.


Anastacia im Kongresshaus, Zürich, 19. Juni 2016